Im englischen gibt es die Phrase "That's none of your business.", welche einer fragestellenden Person entgegnet wird, um sie recht unverblümt darüber zu informieren, dass sie den Erhalt der gewünschten Information als für sich maximal unwahrscheinlich einstufen kann. Oder anders formuliert: "Das geht dich nichts an." oder "Kümmere dich um deine eigenen Belangen." und so wird aus dem "Geschäft" (das einem nicht gehört), eine rhetorische Figur in deren Besitz alleine die befragte Person ist.
Auf einem Globus aus 1504, dem Hunt-Lenox Globe, findet sich vor der Küste eines imaginären asiatischen Landes die Inschrift "hic sunt dracones" – hier sind Drachen.
Diese Drachen beschrieben die Grenze dessen, was Menschen wissen können, die Ausnahme in ihrem Universum, die ferne, aber hartnäckige Wirklichkeit, über die ihre Kartografie nichts zu sagen hat.
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Was damals für die Erforschung der Welt galt, gilt mMn. auch für die "Landkarte" die wir in unseren Köpfen von uns selbst angelegt haben.
Diese Karte definiert uns. Unsere Ängste und Freuden. Den Umgang den wir mit uns selbst und anderen pflegen. Wen oder was wir lieben und wovor wir uns fürchten.
Natürlich gibt es auf dieser Landkarte, Festland dessen Beschaffenheit und Küstenlinie wir genau kennen, da wir sie mehr oder weniger ein Leben lang bereist haben. Ein paar Inseln haben wir bei unserer Erkundung ebenfalls ausfindig gemacht. Manche von ihnen besuchen wir von Zeit zu Zeit wenn wir alleine sind. Den Standort von einigen haben wir mit ausgewählten Menschen geteilt. Aber naturgemäß gibt es auch einen nicht unerheblichen, unbekannten Bereich in dem die Drachen wohnen. Und weil wir von diesen Drachen nicht in den Allerwertesten gebissen werden wollen, vermeiden wir die Erkundung dieser Bereiche aus Angst davor in der unbekannten Topologie unserer Selbst verloren zu gehen und nie mehr in vertraute und heimische Gefilde zurückzufinden.
Und selbst wenn uns die Heimreise gelänge, gibt es keine Garantie dafür bei der Ankunft noch die selbe Person zu sein welche man vor der Abreise war. Ehrlicherweise ist man besser damit beraten davon asuzugehen, dass die Wahrscheinlichkeit gegen null tendiert.
Wie sollten wir dem Schmerz begegnen wenn uns liebgewonnene Menschen nach unserer prosperierenden Transformation anstatt uns freudig in die Arme zu schließen, mit Schimpf und Schande davon jagen würden und wir von da an dazu verdammt wären in alle Ewigkeit heimatlos herumzuirren?
Und so wird die nicht angetretene Reise zu unseren weißen Flecken, zu eben jenen Dingen, Aufgaben, Träumen, "Geschäften" die unerledigt bleiben.
Ein Geschäft kann man abstrakt formuliert als eine unternehmerische Bemühung ansehen in der fortlaufend Veränderungen stattfinden um einen gewünschten wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen.
Auch wir entwicklen uns stätig weiter.
Manchmal ohne, dass wir oder andere es bemerken oder klar ersichtlich als Resultat zielstrebiger Bemühungen.
Wenn wir Glück haben sind wir mit diesem "business" bis zu unserem Ableben beschäftigt.
Der Eine oder die Andere sind für sich zu dem Schluss gekommen, dass für eine Vollendung dieser Entwicklung (falls es eine gibt), ob der Möglichkeiten die der Mensch und die Welt uns bieten, ein Leben nicht genug ist.
Und so sind letztlich wir alle "unfinished business".
Ich will aber damit kein herabwürdigendes Verdikt über die Menschen als unvollkommene Wesen sprechen(auch wenn wir das sind). Ich finde vielmehr, dass dieser Erkenntnis eine befreiende Wahrheit innewohnt.
Zyniker sagen gerne, wenn sie sich auf Murphy's Gesetz2 berufen, dass all die Schei.. die passieren kann auch eintreten wird. Aber jeder der Christopher Nolans Film Interstellar gesehen hat, kennt spätestens seit diesem Zeitpunkt auch die nicht weniger zulässige Theorie, dass alles Gute, dass passieren kann auch passieren wird. So oder so kann man also festhalten: Nichts steht fest.
Nicht wer wir sind noch die Umstände in denen wir uns befinden. Das birgt Chancen. Chancen auf Veränderung.
Nicht immer. Nicht immer einfach.
Oftmals nur unter Aufbringung von viel Geduld, Wohlwollen und anderer Ressourcen.
Manchmal sogar nur unter Einsatz von allem was wir zu bieten haben. In den bedauerwertesten Situationen ist manchmal selbst das nicht genug.
Aber nicht nur existiert diese Chance auf Veränderung in einem hypothetischen Gedankenkonstrukt eines (halb?)philosophischen Bloggers, sie ist real. Eine dieser Chancen zu sehen und eine Veränderung herbeizuführen zeigte sich für mich als ich 15 Jahre alt war. Da begann ich meinen ersten Drachen zu jagen. Das liest sich hier geschrieben als heroischer Entschluss der vielleicht in der Retrospektive als einigermaßen mutig erscheint aber so wie ich es damals sah, gemessen an meinen damaligen Lebensumständen die weniger bedrohliche Option war. Dreißig Jahre später bin ich dankbar dafür dass ich diesen Schritt gewagt habe. Es war der erste Schritt von Vielen die mich hierhergebracht haben und mich zu dem hoffnungslosen Optimisten geformt haben der ich heute bin. Auch wenn ADHS und Depression ihren Teil dazu beitrugen diese Entwicklung alles andere als einfach zu gestalten. Der Rest der Welt tut ihr Übriges dazu es einem sehr einfach zu machen vom "Glauben" abzufallen, haben es wie dieser Blog beweist, aber glücklicherweise auch noch nicht zu Wege gebracht.
Ich stehe immer noch zu der Überzeugung, dass die Chancen zur Veränderung maßgeblich in den unentdeckten Weiten unser Selbst und den Dingen die wir noch nicht erledigt haben liegt. In den Gedanken die wir noch nicht gedacht haben und den Worten die wir noch nicht gesagt haben liegt die Möglichkeit zu einem besseren Leben.
Soweit es mich betrifft ist der "Return of Investment", jeder Mensch der meine Zeilen ließt und darin etwas findet, dass ihm den Mut gibt, Drachen zu jagen.
Ich bin ein Freund von Wittgenstein's Ausspruch "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" aber nicht weil ich, wie er der Meinung bin, dass Sprache nur zur Erfassung von Tatsachen dient und der Rest in den Bereich des "Unsagbaren" fällt und man deswegen darüber zu schweigen hätte.
Es geht mir um die Dinge die wir selbst in diesen Bereich verschoben haben oder verschieben haben lassen. Ich rede von all den Restriktionen die wir uns auferlegen haben lassen zum Beispiel im Beruf aber auch innerhalb des engsten sozialen Kreises.
Auch wenn es nicht notwendig sein sollte erwähne ich es hier der vollständigt wegen dennoch:
Die obige Aussage gilt ausdrücklich nicht als Legitimation dafür rechtes Gedankengut, Diskriminierung jeglicher Art, Hassrede oder den ganzen anderen ausgedachten Unfug zu äußern, den Leute von sich geben möchten (und leider auch geben), wenn sie Sätze raushauen wie:"Man darf ja gar nichts mehr sagen.". Alle sind hier und auf den zugehörigen Social Media Kanälen herzlich willkommen solange bis sie es nicht mehr sind. Hier gibt es keinen Platz für Hass oder Hetze egal welcher Art. Wie ich mit Verstößen verfahre, werde ich von Fall zu Fall entscheiden und wenn ich es als notwendig erachte auch rechtliche Schritte setzen.
Ich versuche hier einen Anfang zu schaffen, indem ich hier über große und kleine, gesellschaftlich relevante, persönliche, witzige oder kuriose Themen schreibe und meine Beobachtungen und Meinung dazu mit euch teile.
Das ist genau was dieser Blog sein soll und will.
Hoffentlich eine Chance auf Erkenntnis und der Beginn eines Dialogs, im bestmöglichen Fall vielleicht sogar für einen von euch oder für mich die Chance auf positive Veränderung.
Um das zu schaffen werde ich, wann immer ich mich auf Dinge beziehe die nicht meinen Kopf entsprungen sind (Beobachtungen/Gedanken), entsprechend mit einem Quellenverweis versehen. Ich werde dabei bestmöglich versuchen seriöse Quellen heranzuziehen wenn es darum geht Argumente, Zahlen, Daten, Fakten belegen zu können. Alle anderen Quellen nutze ich als Nachweis wenn ich mich z.B.: auf eine öffentlich getätigte Aussage einer Person oder Institution beziehe. Ich werde diese Quellen auch zusätzlich screenshotten damit sie nicht "verloren" gehen im Netz.
Erzählungen von Dritten ohne erbringbaren Quellennachweis, werde ich als anekdotische Evidenz3 kennzeichnen.
Wenn euch das anspricht fühlt euch herzlich Willkommen, macht es euch bequem und viel Spaß beim lesen von "unfinished business".
Im Moment kann ich noch nicht sagen in welcher Regelmäßigkeit ich meine Beiträge veröffentlichen werde aber sobald einer erscheint erstelle ich auf meinen Social- Media-Kanälen einen Post mit dem Link zum Artikel hier sobald ein Neuer erscheint.
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Jede:r hat einen anderen Wissensstand und stößt möglicherweise hier das erste Mal auf ein Thema welches die gemütlich eingerichtete Ecke seines oder ihres Blick auf die Welt und vielleicht auf sich selbst erschüttert. Die Leser:Innen die posten wollen bitte ich wenn sie feststellen, dass sie ein Thema oder eine Aussage emotional negativ berührt sich vielleicht ein oder zwei Minuten Zeit verstreichen zu lassen bevor sie lostippen um ihre Gedanken und Worte sortieren zu können.
Als Faustregel könnt ihr euch vor dem Druck auf den Senden-Button die Frage stellen, ob ihr so mit eurer Lieblingsperson sprechen würdet. Lautet die Antwort: "Nein", löscht den Satz und versucht es von vorne oder es lasst es ganz sein.
Das soll es fürs Erste gewesen sein. Ich hoffe ihr seid genau so gut unterhalten beim Lesen und dem gegenseitigen Austausch, wie ich es bin beim verfassen dieser Zeilen.
Ich wünsche uns allen eine gute Zeit und freue mich auf euch.
Euer,
Jay Weal!
Quellen:
1 Philipp Blom, Gedanken zur Kartografie der Zukunft / Thoughts About Mapping the Future / Wo die Drachen wohnen / Be Here Dragons ISBN: 978-3-9504711-6-8
2 Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Murphys_Gesetz
3 Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Anekdotische_Evidenz